Inhalt & Thema
Ein Bahnhof gilt in der Fachliteratur als Paradebeispiel für einen „Nicht-Ort“ (nach dem französischen Anthropologen Marc Augé): ein Durchgangsraum, in dem Menschen anonym aneinander vorbeigehen, ohne Beziehungen aufzubauen. Flughäfen, Autobahnraststätten und Einkaufszentren gehören auch dazu.
Ein dritter Ort im Sinne von Ray Oldenburg (neben Zuhause als erstem und Arbeit als zweitem Ort) zeichnet sich durch anderes aus:
Man geht freiwillig und gern hin, nicht nur, um woanders hinzukommen.
Es gibt Stammgäste, man kennt sich.
Gespräch und Geselligkeit stehen im Mittelpunkt.
Man verweilt, die Atmosphäre ist entspannt, man fühlt sich ein bisschen wie zu Hause.
Alle sind gleichgestellt, egal welcher Status.
DIE STATION bringt beides mit großem Erfolg zusammen: Nur weil sich so viele Menschen aus der Region ehrenamtlich an der Entwicklung des Projekts beteiligt haben und immer noch beteiligen, ist es möglich geworden, den Bahnhof aus 20 Jahren des Leerstands zu befreien. Nur deswegen haben sich die Baukosten halbwegs im Rahmen gehalten. Und nur deswegen sind wir nach nur 13 Monaten auf der Baustelle tatsächlich so gut wie “durch”: Dabei hat sich uns immer wieder die Frage aufgedrängt, ob solche Projekte wie das unsere überhaupt ohne zivilgesellschaftliche Organisation und Umsetzung möglich gewesen wären (wir glauben: nein!). Und wir haben auf dem Weg ein paar Kriterien dafür eingesammelt, wie Konzerne, Unternehmen und Kommunen positiv unterstützen können – und was es aus unserer Sicht tunlichst zu vermeiden gilt. Unser Projekt wäre auf dem Weg ein paar Mal fast gestorben, weil uns als Sozialunternehmer:innen der Rahmen zu unsicher wurde. Dass wir noch da sind, hat vor allem damit zu tun, dass wir ziemlich resilient sind – und risikofreudig bis naiv-größenwahnsinnig. Wie können Projekte wie das unsere von Anfang an auf sicherere Beine gestellt werden?
DIE STATION als Dritter Ort “funktioniert” erstaunlich einfach: Bei uns kommen Menschen aus allen Hintergründen zusammen, verweilen, werden zu Stammgästen oder bleiben auf der Durchreise. In den hinteren Räumen werden Kurse und Kulturprogramm angeboten, im Café werden Kaffee und Kuchen gereicht, im Warteraum klimpert eine Frau auf dem Klavier. Der Förderverein ist binnen von wenigen Monaten auf 75 Mitglieder angewachsen, viele davon schenken uns regelmäßig ihre Zeit.
Wir holen uns unseren Bahnhof zurück! – mit diesem Claim hat DIE STATION begonnen, lange bevor sie ihren Namen hatte. Flankiert von der Deutschen Bahn, namentlich Kai Rossmann, Manager vom Kölner Hauptbahnhof, sowie der Gemeinde Windeck unter Bürgermeisterin Alexandra Gauss ist sie in der Zwischenzeit zum Modell-Projekt herangereift: Was, wenn der Bahnhof als Dritter Ort heute relevanter wäre denn je, und das insbesondere im ländlichen Raum, wo viele Bahnhöfe ein ähnliches Schicksal erleiden wie der Bahnhof Au(Sieg)? Welche Rolle kommt der Zivilgesellschaft dabei zu, welche der Deutschen Bahn und welche den Kommunen? Welche Stolpersteine können sich auf dem Weg der Zusammenarbeit ergeben, wo prallen Welten aufeinander, wo entsteht Reibung? Und wie lassen sich daraus eventuell Handlungsempfehlungen ableiten für all jene, die nach uns kommen – die Do’s und Don’ts im Projektverlauf?
Um solche und ähnliche Fragen soll es in unserem Fishbowhl-Gespräch mit Bürgermeisterin Alexandra Gauss und Bahnhofsmanager Kai Rossmann gehen, das das Potenzial hat, zum “öffentlichen Schulterblick” zu werden: Wir möchten zurückblicken auf drei Jahre Zusammenarbeit – und einen Ausblick wagen auf fünf bis zehn Jahre Zukunft. Danach öffnen wir das Gespräch “für die Region”: Wer mag, darf sich spontan dazu setzen und die Runde um eigene Themen, Gedanken und Fragen bereichern.
Wir freuen uns auf einen herzlichen, spotanen und persönlichen Austausch mit euch!
Der Eintritt ist frei.
Format
Eine Fishbowl (englisch für „Goldfischglas“) ist eine Diskussionsform, bei der das Publikum mitmachen kann, ohne dass es eine klassische Fragerunde gibt.
So funktioniert es:
In der Mitte steht ein kleiner Innenkreis mit Stühlen, meist 4 bis 6. Dort sitzen die Diskutierenden, also z. B. Bürgermeisterin Gauss, Herr Rossmann und die Moderation.
Drumherum sitzt das Publikum im Außenkreis und hört zu, wie bei einem Blick ins Goldfischglas.
Im Innenkreis bleiben ein oder zwei Stühle frei. Wer aus dem Publikum etwas sagen oder fragen möchte, setzt sich einfach auf einen freien Stuhl und steigt ins Gespräch ein.
Danach verlässt die Person den Stuhl wieder (oder jemand anderes aus dem Innenkreis macht Platz), damit der nächste nachrücken kann.
Ab jetzt lädt DIE STATION als lernendes Real-Labor einmal im Quartal zu einer FISHBOWL rund um sozialunternehmerische Themen und Fragestellungen ein. Den Anfang machen wir mit unseren eigenen Projektpartner:innen: Bürgermeisterin Gauss und Bahnhofsmanager Kai Rossmann werden samt Moderator:in (tbd) durchgängig in unserem “Goldfischglas” sitzen, während wir von der STATION unsere Stühle irgendwann für euch freigeben. Wir freuen uns auf einen herzlichen, wertschätzenden und spontanen Austausch!
Ablauf
18:15: Ankommen an der Wein & Sekt-Bar
18:45: Fishbowl Gespräch: Der Bahnhof als Dritter Ort // Moderation TBD
20:00: Ausklang an der Wein und Sekt-Bar
Für wen?
Für Sozialunternehmer:innen, Pionier:innen, Raumentwickler:innen, kreative Verwaltungsakteur:innen, Gemeinwohl-Aktivisti und alle anderen Menschen, die Interesse daran haben, einen lernenden Blick hinter die Kulissen zu werfen
Um Anmeldung an info@diestation.org wird gebeten // beschränkt auf 40 Teilnehmende